Sehr geehrte AfD,

„wir sind die 87 Prozent, die euch nicht gewählt haben.“

So beginnt ein Brief an die AfD, der von dem Kampagnen-Netzwerk Avaaz.org erstellt wurde. Ich kann ihn nur voll und ganz unterschreiben. Den ganzen Brief, der nach Unterzeichnung durch 500.000 Menschen überall abgedruckt werden soll, kann mit unten stehendem Link gelesen werden:

https://secure.avaaz.org/campaign/de/afd_widerstand/?cDzLNcb  

„… wir stehen auf gegen euren Rassismus.“ steht weiter in dem Brief, und:

„Das hier ist unser aller Land und ihr `holt es euch nicht zurück´.“

Es gibt vieles in der heutigen Zeit, was uns ängstigt und entmutigt. Aber es ist nicht die richtige Lösung, Sündenböcke dafür zu suchen und in Menschen zu finden, die uns einfach nur fremd sind und die sich nicht dagegen wehren können, Sündenbock zu sein.

Ich hoffe, dass nicht alle, welche die AfD gewählt haben, wirklich rassistisch denken.

Ich hoffe, dass auch reine Protestwähler dabei sind, die sich bei der nächsten Wahl anders entscheiden.

Ich hoffe, dass sich die AfD, wie es sich jetzt schon andeutet, selbst zerlegt. Dass sich die Führer dieser Partei als das enttarnen, was sie in meinen Augen sind: reine Machtmenschen, denen es in Wahrheit völlig egal ist, was „das deutsche Volk“ wirklich denkt und will.

Ich hoffe, dass alle Menschen hier erkennen, dass es „den Deutschen“ nicht gibt. Schon alleine die hier in Deutschland geborenen Menschen sind so vielfältig und verschieden, und das ist gut so. Ein Hamburger und ein Bayer, ein Rheinländer und ein Thüringer, ein Schwabe und ein Berliner, sind oft total unterschiedlich in täglichen Sitten und Gebräuchen, in Einstellungen und Auftreten.

Ich schreibe „oft“, weil es eben auch „den Rheinländer“, „den Schwaben“, „den Bayer“ nicht gibt, sondern es auch hier nur den individuellen Menschen gibt.

Und ich habe auch was gegen das Einschlagen auf „Ossis“, sie wären allesamt braun angehaucht. Da sollten wir „Wessis“ mal schön auf die eigene Brust klopfen und die ewig Gestrigen in den eigenen Reihen erkennen. Auch sollten vor allem die Politiker erkennen, was alles seit der Wende falsch gemacht worden ist.

Ich kann nicht verstehen, woher dieser Fremdenhass kommt, der langsam, schleichend, in Deutschland salonfähig geworden ist. Wir sind doch alles Menschen, auch wenn der andere ungewohnt aussieht oder eine andere Religion zur Schau trägt!

Woher nehmen wir, die wir hier geboren sind, das Recht, auf die anderen – verbal oder in echt – einzuschlagen und sie ausgrenzen zu wollen?? Sogar die, welche als ehemalige Flüchtlinge oder Vertriebene die Erfahrungen von Flucht gemacht haben, höre ich diese Sätze sprechen, die mich manchmal an der Menschheit verzweifeln lassen. Woher kommt dieses mangelnde Mitgefühl, diese mangelnde Empathie, ja, oft sogar Hass?

Schon seit vielen, vielen Jahren gibt es Zuwanderung durch „Fremde“, und sie waren bereichernd für uns alle.

Sich abzuschotten und den momentanen Zustand festmauern zu wollen, bringt nichts. Unsere Welt ist in Bewegung, und sie wird nicht aufhören, sich zu verändern, nur weil wir beschließen, dass das nicht mehr sein darf.

Bleiben wir doch neugierig dem Neuen gegenüber und vor allem: verlieren wir nicht unser Mit-Gefühl und unsere Mit-Menschlichkeit.

Wenn ihr auch unterzeichnen wollt, könnt ihr das hier tun:

https://secure.avaaz.org/campaign/de/afd_widerstand/?cDzLNcb 

Ich freue mich, dass bei der Wahl mehr Menschen als sonst ihre Kreuzchen gemacht haben. Und ich hoffe darauf, dass die Vernunft und die Menschlichkeit wieder die Oberhand gewinnen.

Der weitaus größte Teil von uns hier in Deutschland ist nicht für die AfD. Es waren, wie geschrieben, 87 Prozent der Wähler, die zur Wahl gingen.

Merkt euch das, ihr von der AfD: Ihr repräsentiert nicht uns, sondern nur eine Minderheit in Deutschland!

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2 Kommentare zu Sehr geehrte AfD,

  1. Ich bin ganz Deiner Meinung. Bei unseren Diskussionen zu dem Thema habe ich immer wieder darauf hingewiesen, wie schwrierig es ist Erklärungen für den jetzt sichtbaren Rechtsruck zu finden. Leider ist dies aktuell ein weltweites, darf ich Mysterium sagen? Ich will an dieser Stelle auch auf den Artikel in der aktuellen Zeit hinweisen http://www.zeit.de/2017/41/heilbronn-afd-bundestagswahl-wahlergebnis

  2. Irmgard sagt:

    Danke, Achim, es ist schön, mit Dir über diese Sachen diskutieren zu können!

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