Ist das noch die staade, die stille, besinnliche Zeit?

Die Zeit vor Weihnachten wurde früher die staade oder stille, besinnliche Zeit genannt. Eben weil es da etwas stiller wurde. Auf dem Feld oder im Garten war nicht mehr viel zu tun. Man konnte sich in der Stube bzw. dem Wohnzimmer mit dem Basteln und Werkeln beschäftigen und hat da manches Spielzeug selbst gemacht.

Es wurde geschnitzt, geklöppelt oder auch „nur“ gestrickt oder gehäkelt. Das eine oder andere Teil entstand an der Nähmaschine oder wurde mit der Hand genäht oder auch bestickt.

Man machte Musik, unterhielt sich bei Tee oder Glühwein oder las sich Geschichten vor. Man nutzte einfach die Zeit, die man hatte, weil draußen nicht mehr so viel zu tun war.

Ja, ich weiß: Die gute alte Zeit gab es nie! Auch früher war die Welt nicht heile. Wohl die wenigstens Familien lebten einen Idealzustand, so wie wir uns die Zeit „früher“ vorstellen. Aber ich finde, früher nahm man sich mehr Zeit. Man ging viele Dinge langsamer an. Man saß wirklich noch zusammen, nicht nebeneinander, jeder mit sich beschäftigt. Oder jeder auf einem anderen „Event“ unterwegs.

Meine Mutter hat oft gesagt, früher musste man zwar hart arbeiten, aber es ging langsamer, bedächtiger zu; diese Hektik gab es früher noch nicht.

Heute hechtet und läuft man einem Ideal hinterher, das irgendwo nebulös im eigenen Kopf herumschwirrt. Das sich so gar nicht greifen lässt.

Was wollen wir überhaupt? Ein perfektes Weihnachten? Perfekt – Was ist perfekt, wer definiert denn das? Für jeden das passende Geschenk, natürlich gekauft, sonst ist es ja nichts wert. Oder wenn es selbst gemacht ist, dann mit dem größtmöglichen Aufwand. Es muss ja was hermachen.

Wir rödeln und rennen. Im Kopf rattern wir ständig die Listen herunter: Haben wir auch an alle gedacht? Was müssen wir noch alles einkaufen? Was soll es zu Essen geben? Muss natürlich auch perfekt sein und Eindruck schinden. Ratter-ratter-ratter, macht es in unserem Kopf. Irgendwie fühlen wir uns ständig außer Puste, ständig am Limit.

Muss das sein? – NEIN!

Wir können uns diesen Erwartungen widersetzen, die oft durch Werbung und Filme in uns in Gang gesetzt werden. Wir müssen kein perfektes Weihnachten verleben. Es reicht schon, wenn wir einige Stunden mit lieben Menschen verbringen können. Denn das ist das Wichtigste: Dass man Zeit mit Menschen verbringt, die man liebt oder gerne hat. Und: Dass man es ihnen sagt.

Denn irgendwann kann es zu spät sein. Irgendwann sind sie nicht mehr da. Ja, das klingt etwas düster. Aber vor kurzem ist meine älteste Schwester gestorben. Ein ganz lieber Mensch. Plötzlich. Unerwartet. Alle waren geschockt. Zum Glück habe ich erst einige Tage davor mit ihr telefoniert und sie auch noch nicht lange vorher besucht, als ich in der Heimat war. Das ist ein winziger Trost: Dass ich erst vor kurzem Kontakt zu ihr hatte. Aber ab jetzt kann ich nicht mehr bei ihr vorbeischauen. Nicht mehr mit ihr telefonieren. Keine Frohen Weihnachten wünschen. Es ist zu spät dafür.

Aber ich kann den Menschen, die ich noch habe, sagen, dass ich sie gerne habe. Ihnen sagen und zeigen, wie viel sie mir bedeuten. Zeit mit ihnen verbringen. Mich bei ihnen bedanken für alles, was ich durch sie Gutes erfahren habe.

Denn das ist es, was zählt.

Ich wünsche euch eine besinnliche Adventszeit, ein schönes Weihnachtsfest und ruhige Tage „zwischen den Jahren“. Und schöne Stunden mit lieben Menschen.

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Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die erste Kerze brennt.
Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
Machet dem Herrn den Weg bereit.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

 

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5 Antworten auf Ist das noch die staade, die stille, besinnliche Zeit?

  1. Brigitte sagt:

    Liebe Irmgard, herzliche Grüße.
    Ja, man denkt gern an die Weihnachtszeiten zurück, wo man noch an den Händen zwischen den Eltern über den Weihnachtsmarkt schlenderte und mit staunenden Blicken die Weihnachts-Winterwelt erlebte und nichts mitbekam, wie doch die Eltern den Zauber der Vorweihnacht in uns Kinderseelen wach hielt, obwohl sie selber mit vielen Querälen in der Arbeitswelt konfrontiert wurden. Auch sie hatten nur eine begrenzte Möglichkeit die Weihnachtszeit sich schön und angenehm zu gestalten.
    Ja, ich gebe Dir Recht, die schnelllebige Zeit fordert ihren Preis. Ruhe und Stille im Advent, den spürt man nicht mehr. Hektik und Kaufrausch wird ja schon vorprogrammiert, indem man in den Geschäften Alles ab Ende Sept auf Weihnachten ausrichtet.
    Ich lasse mich davon nicht beeinflussen.
    Mit der Eröffnung des großen Berliner Weihnachtsmarktes, stimmten wir uns und die Kinder in die Weihnachtszeit ein. Wir besuchten dann gemeinsam mit den Jungs den Weihnachtsmarkt.
    Jedes Jahr backte ich ein großes Pfefferkuchenhäuschen für die Jungs, welches zum 1. Dez. fertig war. Die Jungs wollten es so. Das erste bekamen sie mit 3 Jahren und das letzte wurde mit 15 Jahren gebacken.
    Auch der Enkel bekam sein Häuschen mit 3 Jahren. Aber danach wurden sie gekauft.
    Durch die gesundheitl. Situation von Männe haben wir dieses Jahr noch gar keine weihnachtl. Stimmung im Haus, also bin ich noch in Verzug. Aber am Wochenende will ich die Wohnstube und Küche schmücken.
    Ich wünsche Dir eine geruhsame Vorweihnachtszeit, alles Gute, bleib gesund und munter und tschüssi sagt Brigitte.

  2. Helga sagt:

    Liebe Irmgard,
    das ist leider der Lauf der Zeit – zurückdrehen können wir die nicht.
    Dir alles Gute
    Helga

  3. Traudi sagt:

    Liebe Irmgard,
    auch ich denke an die stille und besinnliche Zeit zurück. Aber zum Glück lasse ich mich in diesen vorweihnachtlichen Tagen und Wochen nicht stressen.
    Aber es stimmt schon, früher hat man alles ohne Hektik erledigt.
    Vor allem denke ich gerne an meine Kindheit in meiner Heimat zurück, wo das Christkind erst bei meiner Oma und dann bei uns vorbeischaute und einen Christbaum und die Geschenke brachte (ich glaubte lange an das Christkind).

    Ich wünsche dir und deinen Lieben eine schöne Adventszeit und besinnliche Festtage.

    Sei herzlich gegrüßt
    Traudi

  4. kelly sagt:

    es ist wirklich reichlich spät für mich, das auffinden…
    liebe irmgard,
    es ist die besinnliche adventszeit, addis suchen für die weihnachtspost und alte traditionen zu pflegen.
    ganz früh am morgen ist es meine zeit.
    es gab und gibt immer noch sehr viel unruhe in meinem leben – aber auch viel schönes und lebenswertes.
    alles liebe und gute für dich und danke für deine segenswünsche!
    kelly

  5. Irmgard sagt:

    Hallo ihr Lieben, vielen Dank für eure Kommentare!
    SO staad war die Zeit dann kurz vor Weihnachten eigentlich nimmer. Denn: Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, selbst gebastelte Weihnachtskarten zu verschicken. Und die natürlich wieder mal erst auf den letzten Drücker verschickt, obwohl ich doch viieel viel früher damit anfangen wollte. Und eigentlich noch sehr viel mehr Leuten Karten schicken wollte. Aber nun ist es so wie es ist. Und es ist gut so.
    Außerdem hatte ich mich gerade in der letzten Woche vor Weihnachten für zwei Zusatzdienste im Weltladen eingetragen. Sonst bin ich nur einmal in der Woche für drei Stunden dort. Aber da war gerade Engpass und ich wollte helfen. Naja, und dann wurde es knapp.
    Aber die Weihnachtstage selbst waren schön, und wir verbrachten sie mit sehr lieben Menschen.
    Die „Tage zwischen den Jahren“ werden wir dann total ruhig verbringen und uns der Kontemplation widmen, sprich: nix tun *grins*
    Alles Liebe, eure Irmgard

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